Interview mit Gerd Anke

Dank an Fuzz magazine, aus Schweden.

Inventor of the Plek and co-founder of A+D Gitarrentechnologie, Gerd Anke
Plek-Erfinder und Mitbegründer von A+D Gitarrentechnologie, Gerd Anke

Vor ein paar Jahren habe ich eine Les Paul pleken lassen und danach war es eine Riesenfreude sie zu spielen. Einfach wunderbar! Trotzdem lassen viele Gitarristen ihre Gitarren nicht warten. Was sind die Gründe dafür, deiner Meinung nach?

Einer der Gründe ist, dass sie nicht wissen, was für eine Art Service für ihre Gitarre tatsächlich möglich ist. Sie wissen nicht, was es bedeutet, ein Setup zu bekommen, das  zu ihrer persönlichen Art zu spielen passt. Und sie wissen oft nicht, wo sie so einen Service herkriegen sollten, oder, wenn sie ihre Gitarre an jemanden abgeben, was sie dann zurückbekommen werden. Oft sind sie nicht sicher, ob der Gitarrenbauer einen richtig guten Setup liefern wird. Es ist häufig sehr schwer zu vergleichen. Gitarren sind schwer zu vergleichen, bei unterschiedlichen Modellen und bei unterschiedlichen Spielern. Das, was ein gutes Setup ausmacht, sind oft sehr subjective, persönlich gefühlte Werte.

Wie finde ich heraus, was das richtige Setup für mich persönlich ist?

Im Grunde genommen ermittele ich das über die Anschlagstärke. Die Anschlagstärke bestimmt wieviel Platz die Saiten zum Schwingen brauchen. Und danach richtet sich die Einstellung, damit sämtliche Töne der Gitarre sauber kommen, ohne dass sie irgendwo schnarren. Diese Werte sind individuell. Jeder Spieler hat ein bißchen einen anderen Anschlag. Man kann zwar von gewissen Standards ausgehen, die auf die meisten Spieler zutreffen, aber im Grunde genommen ist es eine individuelle Sache: Wie schlägt man an, wie hart, an welchen Stellen, das bestimmt eigentlich das Setup auf der Gitarre.

 

Das sollte ich also am besten im Dialog mit dem Reparateur, bzw. dem Gitarrenbauer?

Ja, das ist die entscheidende Stelle, dass der Musiker weiss, was möglich ist, damit er das kommunizieren kann. Das heisst, dass es immer davon ausgeht, was für den einzelnen Musiker passt. Wir haben oft die Situation, dass das nicht der Fall ist, weil der, der das Setup macht, von sich ausgeht und sagt, "ich spiele die Gitarre so und so, das ist das Beste". Das stimmt nicht damit überein, was der Musiker eigentlich braucht.

Und was bringt eine Plek-Maschine zum Setup?

Plek bietet die Möglichkeit, dass zum einen die physikalischen Verhältnisse auf einem Griffbrett, an den Bünden optimiert sind in Bezug auf die Saitenlage. Das bedeutet, wenn eine Gitarre geplekt ist, ist sie an den Saitenschwingungen angepasst, in Verhältnis zu der Saitenlage. Im optimalen Fall klingen alle Töne sauber. Ist die Saitenlage zu niedrig, würden die Saiten überall leicht schnarren, weil die Anschlagstärke nicht zum gesamten Setup passt. Bei Plek ist das Entscheidende, dass die Krümmung des Halses und die  Saitenlage quasi aus einem Stück gemacht wird. Das heisst je höher die Saitenlage, umsomehr Krümmung, weil die Saiten, ausgehend davon, dass man einen stärkeren Anschlag hat, mehr Platz brauchen, um frei zu schwingen.

Inserting a guitar into the machine
Eine Gitarre wird in der Maschine befestigt

 

2. Wie viele Plek Stations gibt es auf der Welt?

Wir haben 33 Plek Stations in 15 verschiednen Ländern, die meisten in den Vereinigten Staaten. Wir haben auch ein anderes Modell, die Plek Pro. Sie ist eher für die Produktion entiwickelt worden, funktioniert aber im Servicebetrieb. Davon gibt es zur Zeit ca. 25.

Könntest du vielleicht etwas über den Unterschied zwischen der Plek Pro und der Plek Station sagen?

The guitar is scanned
Die Gitarre wird gescannt

Der Unterschied ist, dass die Plek Station eine Maschine für den Service und für die kleine Produktion. Für die Pro ist der elementare Unterschied zur Plek Station die Tatsache, dass sie ein Modul besitzt, das die Saitenspannung simuliert. Damit kann mach arbeiten, ohne dass man Saiten auf das Instrument aufziehen muss. Das macht  auch eine große Beschleunigung der Produktion möglich. Elementar ist halt, dass wir immer unter Saitenspannung das Instrument vermessen. Das ist das, was absolut immer erforderlich ist, weil die ganze Kalkulation der Halskrümmung und der Saitenlage darauf beruht, dass die Gitarre unter Saitenspannung vermessen wird.

 

3. Wie ist der allgemeine Standard in  Gitarrenläden in Bezug auf Setup , Bundierung und Intonation bei neuen Gitarren?

Es gibt nicht wirklich einen Standard dafür. Das ist etwas, was wieder sehr abhängig ist von der Person, die dieses Setup macht. Es gibt viele Ideen darüber, die teilweise auch in die falsche Richtung schauen. Zum Beispiel dass man für die Saitenlage die Halsstellschraube benutzt. Man kann zwar beim Verstellen der Halsstellschraube die Saitenlage verändern, es hat aber sehr negative Effekte auf das Buzzing beim Spielen.

 

Es kommt wahrscheinlich auch auf die Marke der Gitarre an?

Es kommt auf die Marke an, es kommt auf die Saitenstärke an. In Prinzip verhalten sich Saiten anders je nach Stärke. Je stärker der Saitenzug ist, je dicker die Saite ist, umso geringeres Ausschwingverhalten hat die Saite. Das heisst ich kann konkret mit einem Saitensatz mit sehr starken Saiten kann ich eine niedrigere Saitenlage ohne Schnarren erzeugen, als wenn ich ganz leichte Saiten habe, zum Beispiel ein neuner oder achter - sie brauchen eine viel höhere Saitenlage um bei gleichem Anschlag einen sauberen Ton zu bekommen. Und dann kann man grundsätzlich E-Gitarren von akustischen Gitarren unterscheiden. Bei akustischen Gitarren ist die Tendenz zu einer etwas höheren Saitenlage schon dadurch gegeben, dass man dort mehr Dynamik in der Regel aus dem Instrument direkt erzeugt. Bei der E-Gitarre kann es ein bißchen geringer sein, weil man viel Lautstärke über den Verstärker realisieren kann. Wo dieser Fall besonders extrem ist, ist bei der klassischen Gitarre. Dort kann man tendenziell nur mit einer sehr hohen Saitenlage arbeiten, weil dort die gesamte Dynamik des Instrumentes besonders stark benutzt wird.

 

 

Checking the initial scan
Prüfen des ersten Scans

Es gibt bestimmt auch Läden, die gar nichts  in Bezug auf Setup bei neune Instrumenten machen....

Das ist immer eine Frage, was wird mit einer Gitarre gemacht, bevor sie der Kunde in die Hand bekommt. Die Instrumente, wenn sie aus der Fabrik kommen, sind in einem Zustand, den wir nicht sehr genau kennen. Sie verändern sich unter Umständen auch im Laufe der Zeit, durch Transport, das Arbeiten des Holzes, ganz unterschiedliche Raumverhältnisse, Klimaverhältnisse, Feuchtigkeit, Temperatur. Was der Kunde in die Hand bekommt ist eher eine Frage: Wer macht eigentlich das, was man das Final Setup nennt?

 

Was würde man als Setup für eine neue Gitarre von einem erstklassigen Gitarrenladen erwarten?

Der Kunde erwartet, dass sie sich einfach super spielen läßt, aus seinem Gefühl, dass sie nicht schnarrt. Das ist die Erwartung eines Spielers. Wir sind aber wieder an dem Punkt, dass es dafür zur Zeit keinen wirklichen Standard gibt, an dem man sich orientieren kann. Das ist ein Thema für Plek, weil wir in der Lage sind, objektiv ein Instrument zu vermessen, und ein Setup quasi auf das nächste Instrument zu wiederholen, oder auf das gleiche nochmal. Der Kunde kann das gleiche Setup auf einer anderen Gitarre haben, und das ist sehr präzise und wiederholbar. Es ist ein extrem wichtiger Teil, dass man einfach von einem auf ein anderes Instrument exakt übertragen kann, weil man ganz präzise Messdaten hat - ein großer Vorteil für den Spieler.

 

 

Scan results before processing.
Scan-Ergebnisse vor der Bearbeitung. Auf das Bild klicken, um das Bild zu vergrößern.

4. Was kann man mit einer Plek Station machen, das nicht von einem gelernten Gitarrenbauer gemacht werden kann?

Im Grunde genommen ist es natürlich möglich, dass der beste Gitarrenbauer an seinem besten Tag auch die Qualität erreicht, die von der Maschine erreicht wird, in Form von Setup. Das ist eher eine seltene, glückliche Situation. Die Schwierigkeit, ein Setup optimal hinzukriegen, hat unter anderem mit dem Vermessen der Saitenspannung zu tun, und mit der Tatsache, dass, wenn man den Saitenzug von der Gitarre herunternimmt, sich der Hals extrem verändert, und die ideale Kurve nicht mehr vorhanden ist. Das ist der schwierigste Teil, das vorher zu berechnen und die ideale Linie in das Griffbrett hineinzuschleifen, oder zu feilen, wie auch immer der Gitarrenbauer damit umgeht. Es kommt noch dazu, dass die ideale Halskrümmung für die dicken Saiten, für die tiefen Saiten, anders ist als für die hohen Saiten. Das heisst also, jede Saite hat in Prinzip ihre eigene Halskrümmung, um es optimal zu machen. Darin steckt eine Schwierigkeit, die mit der Hand ganz schwer, und mit viel Glück nur realisiert werden kann.

 

Bedeutet das, dass ein Griffbrett unterschiedlich abgeschliffen wird, je nach Stärke der darüberliegenden Saiten?

The same scan, this time taken together with all strings.
Der gleiche Scan, diesmal zusammen mit allen Saiten.

Die Oberfläche der Bundstäbchen wird idealerweise genau der Saite angepasst. Wenn das Griffbrett diese Ideallinie nicht aufweist, dann werden im Grunde genommen die Bundstäbchen unterschiedlich hoch. Es kommt immer auf die Oberfläche der Bundstäbchen an. Ist dieser Effekt sehr stark, kann es natürlich zu Problemen kommen, dass Bundstäbchen an manchen Stellen sehr niedrig sind, an anderen sehr hoch. Für diesen Fall kann die Maschine, im Falle einer Neubundierung, diese Form auch direkt in das Griffbrett einarbeiten, was in Prinzip die selbe Sache ist, wenn man ein bundloses Instrument bearbeitet.

 

Also ist es sehr schwierig für einen Gitarrenbauer, dies ohne Plekmaschine zu in der Form zu realisieren?

Ja, da gilt die gleiche Regel: Um es richtig gut zu machen, muss es unter Saitenspannung passieren. Und das ist das, was die Maschine kann. Sie misst unter Saitenspannung und kann optimal das Griffbrett unter Saitenspannung abrichten.

 

5. Da wir von der Bespielbarkeit und kritischen Punkten auf der Gitarre sprechen: Gibt es deiner Meinung nach irgendwelche Schwachstellen, die verbessert werden könnten, beispielsweise Hardware, Bünde, Griffbretter, usw?

Scanergebnisse nach der Plekbearbeitung.  Aktuelle Bundkurve und optimale Bundkurve stimmen jetzt miteinander überein.
Scan-Ergebnisse nach der Plekbearbeitung. Aktuelle und optimale Bundkurve stimmen jetzt überein.

Grundsätzlich sollte für den Instrumentenbau gutes Material verwendet werden, speziell, gutes Holz, insbesondere für das Griffbrett. Bestimmte Holzsorten sind inzwischen nicht mehr erlaubt bzw. gar nicht mehr erhältlich. Man muss mehr und mehr darüber nachdenken, durch was das gegebenenfalls ersetzt werden könnte. Die Hardware ist in der Regel gut, recht ausgereift, man bekommt hochqualitative Parts für Instrumente. Da gibt es ein sehr gutes Sortiment.

 

Gibt es typische Schwachstellen?

es gibt Schwachstellen, wenn die Hardware qualitativ nicht gut ist, zum Beispiel wenn irgendwelche Tremolos verwendet werden, die ihren Dienst nicht richtig tun, wenn Mechaniken verwendet werden, die haken und klemmen. Mechaniken sind für die Stimmreinheit wichtig. Wenn man Floyd Rose spielt ist es sehr wichtig, dass es ein guter Sattel ist, der gut eingestellt ist. Sattel und Steg zum Beispiel sind extrem wichtige Teile, die eine außerordentlich gute Qualität brauchen. Wenn das nicht stimmt, gibt es Nebeneffekte, dass die Intonation nicht stimmt, dass Töne als Leersaite ganz schlecht und muffig klingen, dass es zu Sitar-Effekten kommt. Das ist dann in der Regel die Qualität von Steg und Sattel. Bei Qualität meine ich, dass das Material gut sein soll, und dass eben auch das Setup im Sattel gut sein muss. Das heisst, dass die Satellkerbe sauber sind, dass sie präzise gekerbt sind, die richtige Höhe haben, weil es sonst leicht zu Intonationsproblemen kommt, wenn der Sattel zu hoch ist.

Und bei der Bundierung?

Es gibt ziemlich gutes Bundmaterial auf dem Markt, das ist weitgehend in Ordnung. Die Frage ist wiederum die Qualität der Bundierung. Bundierung ist eine hohe Kunst: Wie präzise sind die Bünde eingebaut, wie fest sind die Bünde? Es ist also nicht so sehr das Material als mehr die Qualität der Arbeit, wo es eine Menge zu verbessern gibt. Damit haben wir einiges an Erfahrung weil wir sehr viele Instrumente sehen, wo die Bundierung nicht optimal gemacht wurde.

 

Scanergebnisse für alle Saiten, nach der Bearbeitung. Keine Abweichung vom optimalen Griffbrettprofil. Griffbrettradiuskurven (unten im Bild) sind auch optimiert worden.
Scanergebnisse für alle Saiten, nach der Bearbeitung.

Und die typischen Probleme auf dem Griffbrett oder mit dem Hals allgmein?

Typische Probleme? Halsstellschraube. Es sind Probleme, dass Schrauben nicht richtig funktionieren, dass sie ganz schwer zugänglich sind. Und dass das Grundsetup für ein Schraube manchmal nicht stimmt. Das heisst, die Schraube ist lose und trotzdem ist der Hals nach hinten gebogen. Ich kann sie also nicht weiter lösen, das sind Probleme, die immer wieder vorkommen und in der Regel einer größeren Arbeit, fast einer Neubundierung, bedürfen, um das gut hinzukriegen.

Das Profil in einem Griffbrett sollte natürlich möglichst nah an der Idealform der Oberfläche der Bünde heranreichen. Das bedeutet, das Griffbrett sollte so gut vorbereitet sein, dass wenn die Bundstäbchen abgerichtet werden, dass sie möglichst gleich hoch sind. Das ist eigentlich die Voraussetzung für ein Griffbrett.

 

Kannst du etwas zum Begriff "compound falloff / compound radius" sagen?

Ja. Das ist ein extrem wichtige Sache, speziell für Griffbretter, die einen sehr kleinen Radius haben, und für Spieler, die es bevorzugen, Saiten zu ziehen. Mann muss sich vorstellen, dass wenn ich eine Saite ziehe, und der Radius ist sehr klein, da muss die Saite "über den Berg". Durch die Krümmung des Griffbrettes ensteht sozusagen ein Berg, über den die Saite rüber muss. Das ganze wird nochmal besonders kompliziert, wenn die Saite besonders lang ist. Damit meine ich nicht die schwingende Saitenlänge, sondern die Gesamtsaitenlänge. Das ist von enormer Wichtigkeit. Das heisst zum Beispiel, wenn die Saite an der Kopfplatte an der letzten Mechanik befestigt ist, da sind es noch 10 oder 15 cm und ich habe noch vom Sattel bis zum Saitenhalter nochmal 10 cm, dann ist die Saite im Grunde genommen 25 cm länger. Die Folgen sind, dass wenn ich die Saite ziehe, dass ich sie wesentlich weiter ziehen muss, um den Ton zu bekommen. Das heisst, der Effekt wird noch größer,  weil ich eben die Gesamtsaite ziehe, und damit muss die Saite über einen noch größeren Berg, sozusagen. Die Gefahr ist also, dass der Ton abstirbt und dass es damit unspielbar wird. Das ist eine der wichtigsten Erfahrungen, die wir machen: Dass es eine Menge Instrumente gibt, die eben diesen Radius haben. Das zu optimieren ist eine große Herausforderung.

 

Wie geht die Plekmaschine mit dieser Art von Problem um?

Die Plekmaschine kann die Verhältnisse, wie sie sind, an der Stelle optimieren, dass man Korrekturen an dem Radius vornehmen kann, an den Bünden, sofern es die Bundhöhe erlaubt und, dass durch den sogenannten Fall-Off, der möglich ist, diese Verhältnisse für dieses spezielle Instrument optimal gestaltet werden können. Im Extremfall muss man natürlich die Saitenlage etwas anheben, dann geht es immer. Aber das hat eben bekannte Nachteile. Saitenlage anheben heisst immer: Schwerer spielen, Intonationsprobleme.

 

6. Gibt es deiner Ansicht nach Marken, die hervorragend sind in Bezug auf Bespielbarkeit und Intonation?

I würde nicht gern über Marken sprechen, es ist nicht in meinem Interesse dort ein Urteil abzugeben.Wir sehen sehr unterschiedliche Instrumente. Die Qualität hat teilweise nicht immer was mit dem Preis zu tun.

Gut, aber ich bin mir sicher, dass du deine eigenen Lieblingsmarken hast. Was sind denn die Merkmale einer exzellenten Gitarre, deiner Meinung nach?

Für mich ist es zum einen grundsätzlich, wie fühlt sich das Instrument an, für meine Spielweise, wie ist der Sound? Und: Wie ist die Optik? Ich habe da meine bevorzugte Marke, schon. Es ist in der Tat so, dass die Bespielbarkeit so eine enorme Wichtigkeit für mich persönlich hat. Beim Spielen des Instrumentes macht man eine Million Töne, und das Gefühl, dass ich nicht mit dem Instrument kämpfen muss, dass jeder Ton sauber klingt, dass die Oberfläche der Bünde stimmt, dass das Crowning stimmt, das ist es, was letztendlich die wirkliche Qualität für mich persönlich ausmacht.

Die drei essenziellen Werkzeuge der Plekmaschine.  Oben: High Frequency Spindle für Sattelkerben, Griffbrettabrichtung, Bundschlitzfräsen, Sattelschlitzfräsen und Gravierarbeiten am Griffbrett. Mitte: Sensorfinger für die Griffbrettanalyse. Unten: Fret Cutter für die Bundabrichtung.
Die 3 essenziellen Werkzeuge der Plekmaschine. Oben: HFS (High Frequency Spindle), Mitte: Sensorfinger für die Griffbrettanalyse, Unten: Fret Cutter.

 

7. Gibt es auch schlechte Beispiele?

Ich bekomme immer was in die Hände, was also zu uns in die Werkstatt kommt, wo man das ganze Spektrum findet, von Schnarren, von Unspielbarkeit der Instrumente, von losen Bünden, wo  teilweise sogar der Ton nicht mehr sauber kommt, weil die Bünde leicht lose sind und anfangen mitzuschwingen. Da stirbt der Ton, oder ist total dumpf. Wir sehen Instrumente, die einfach in ihrer Grundeinstellung so falsch sind, dass sie für mich eigentlich gar nicht spielbar sind, also dass ich keine Freude daran habe, darauf zu spielen.

 

 

8. Ich nehme an, dass der Plekprozess für elektrische und akustische Gitarren ganz unterschiedlich ist. Könntest du das bitte erläutern?

Der Prozess ist im Grunde der gleiche. Eine elektrische Gitarre kann tendenziell ein niedrigeres Setup, als eine akustische haben. Eine niedrigere Saitenlage kann dabei realisiert werden, weil es von der Spielbarkeit und der Dynamik weniger extrem gehandhabt wird, als bei der Akustikgitarre. Ich kann nochmal betonen, dass es im Falle einer klassischen Gitarre es besonders deutlich ist, sie braucht in der Regel ein sehr hohes Setup. Es gibt eine Ausnahme, das sind die Flamenco-Gitarren. Sie werden mit einem recht niedrigen Setup, einer recht niedrigen Saitenlage, ausgestattet, weil ein gewisses Schnarren erwünscht ist, das gehört zum Sound. Aber in allen Fällen ist es im Grunde die gleiche Vorgehensweise, was die Plekmaschine betrifft. Das sind ganz einfach einstellbare Parameter. Die Halskrümmung stellt sich automatisch ein in Bezug zur Saitenlage. Auch da gilt wieder: Abhängig vom Spieler, von der Saitenstärke, und von der Anschlagstärke des Spielers, wird das Setup in Prinizip auf allen Instrumenten gleich gemacht, es folgt den gleichen Prinzipien. Die Tendenz ist nur, dass die Saitenlage höher ist bei akustischen, bei klassischen Gitarren noch höher, weil sie eben aus der Dynamik der Instrumente resultiert. Beispielsweise bei einer akustischen Gitarre tendiert man dazu, den Ton viel härter anzuschlagen, weil man den Ton kräftig haben will und der Ton ist nur sehr kurz, weil die Energie in die Lautstärke geht, während man bei einer E-Gitarre einen sehr langen Ton hat, das ist ein ganz anderes Spielgefühl. Das basiert unter anderem darauf, dass man die Saitenlage verschieden hoch machen kann, tendenziell. Aber die Grundprinzipien sind die gleichen. Die Saiten verhalten sich vom Prinzip her gleich auf den Instrumenten. Das kann man sich auch so vorstellen: Die Erzeugung der Töne, die ja sehr komplex ist, mit den ganzen Obertönen und alles, folgt im Prinzip immer denselben Regeln. Und so ist das Verhalten der Saite auch.

 

9. Wie sieht es mit den geschwungenen Bünden auf einer True-Temperament-Gitarre aus. Können sie auch geplekt werden?

Wir haben zur Zeit Muster bei uns, und sind am Planen. Es ist also auf unserer Liste, dass man auch True Temperament Frets mit der Plekmaschine abrichten kann. Aber wir können jetzt schon True Temperament Gitarren vermessen, und können sie - per Hand - auch abrichten. Das bedeutet: Wenn man das Instrument ausmisst und mit der Hand bearbeitet, kann man aufgrund dass man es wieder messen kann und nachprüfen kann, was hat man mit der Hand gemacht, kriegt man die auch hin. Es ist eben viel aufwändiger, als wenn es automatisch geht. Das ist technisch aber schon möglich. Natürlich ist es ein Gewinn, dass man die Instrumente vermessen kann, das Schwierige ist eher das Crowning.

 

10. Was ist der nächst Schritt in der Plekentwicklung?

Intonation. Bünde für unterschiedliche Intonationssysteme austauschen können. Wie wir alle wissen, gibt es nicht nur eine Idee davon, wo die Bünde positioniert werden sollen, oder was die wirkliche Länge einer Saite ist, usw.. Darüber  gibt es viele Ideen. Plek plant, ein Werkzeug zu werden, womit jede Mensur realisiert werden kann, unabhängig von der Idee, die dahinter steckt. Das Prinzip ist, dass man der Plekmaschine eine Formel sagen kann, und aufgrund dieser Formel kann sie die Positionen der Bünde berechnen.

Das ist also ein Werkzeug für den Gitarrenbau, für die Produktion?

Ja, es ist eine Art Universalwerkzeug für sämtliche Scales, wie beim Klavier auch. Beim  Klavier gibt es ja viele Stimmungen, die gleichzeitig existieren, das kann man vergleichen. Bei der Gitarre gibt es so etwas auch, zum Beispiel True Temperament, das ist ein extremes Beispiel, es gibt aber auch Fan Frets, Wave Frets, das Buzz Feiten System, Novomensur,es gibt also viele verschiedene Scales, man denke alleine an Fender und Gibson, die ja verschiedene Scales verwenden. Eins der Ziele sind, dass sämtliche Scales als Werkzeuge vorhanden sind. Das heisst, der Bediener wählt aus, welche hätte er denn gerne.

Gibt es noch etwas, das du uns mitteilen möchstest?

Die Plek hat auch eine Funktion für bundlose Instrumente, und auch für die Neubundierung. Das heisst, dass wir ein Griffbrett abrichten können, nach dem gleichen Prinzip, wie bei der Oberfläche der Bünde. Das existiert ja schon, das kann jede Plekmaschine.

 

Und in welche Richtung wird Plek zukünftig gehen?

Gerd: Job well done!

Eine Entwicklung die wir sehen, besteht darin, dass einen Standard für das Setup geben wird, der für jeden zugänglich ist. Damit werden die Spieler wirklich eine Idee davon haben, wie ihr Setup ist, und wie sie ihr Setup kommunizieren, weil sie dann wissen, wovon sie sprechen. Wenn man sagt "Ich spiele 10-46 und mein Setup ist 2mm an der tiefen E-Saite und 1,1 an der hohen E-Saite, dann ist das ein Setup, das definiert ist, das auch wiederholt werden kann, so dass man darüber kommunizeren kann, was ist eigentlich das Setup. Oder auch das Setup von berühmten Spielern. So ein Setup wird langfristig dem Markt zur Verfügung stehen, damit man dieses Setup auf andere Instrumente übertragen kann. Diese Messdaten lassen sich dann auf entsprechende Instrumente übertragen. Das ist ein großes Potenzial.

 

Gerd, wir bedanken uns für das Gespräch!

 

 

 



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